Post mortem

Ich will mich manchmal nicht im Spiegel anschauen, weil ich weiß, dass die traurigen Augen, die mir entgegenschauen, eigentlich nicht meine sind.

Meine erste Reaktion war Trotz. Dann sollst du jetzt halt schauen wo du bleibst, ich biete mich dir nicht mehr an. Ich kann dich nicht mehr unterstützen. Nein, du hast mich ja eh nie gelassen. Hast mich ja immer auf Distanz gehalten und dann doch deine eigenen Entscheidungen getroffen. Du konntest nicht annehmen, dass ich da war, dass wir ein wir hätten sein sollen.

Dieser Trotz hat mir Mut gemacht und fast schon ein bisschen Erleichterung in mir ausgelöst. Ich muss nicht mehr darauf warten, ob du dich für mich entscheidest. Ich muss nicht jeden Tag hoffen und bangen was passiert. Ich muss mein Leben nicht nach dir ausrichten, auch wenn ich es für dich gerne gemacht habe.

Dann irgendwann kam doch die Trauer, sie war natürlich die ganze Zeit da und mir war direkt klar: so schnell wird sie auch nicht gehen. Sie hat mich wenig schlafen lassen. Viele Taschentücher wurden nass geweint und mein Kopf und Herz haben gestritten, diskutiert, unaufhörlich gegeneinander gekämpft.

Und damit kam die Wut. Die Wut darüber, dass du es nicht zulässt geliebt zu werden. Von mir. Die Wut darüber, dass wir (wieder) gescheitert sind. Dass wir wieder an diesem Punkt stehen und es nicht weiter schaffen. Die Wut darüber, dass ich dich liebe und du mich nicht. Die Wut darüber, warum ich das alles überhaupt so lange mitgemacht habe. Die Wut darüber, dass ich Angst davor habe allein zu sein. Und darüber, dass ich jetzt alleine bin. Und dass „die weißen Laken“ lediglich eine Momentaufnahme waren. 

Und das macht mich wieder traurig. Lässt mich weiter weinen, bis der Schmerz irgendwann geringer wird. Doch mit der Trauer ist da irgendwo doch auch die Hoffnung. Die Hoffnung, dass alles immer einen Grund hat. Die Hoffnung, dass ich jetzt die Chance habe, jemanden zu finden, der mich liebt. Jemanden zu finden, der für mich da ist, wenn ich es brauche. Jemanden, dem ich wichtig bin. Und wenn derjenige kommt, dann hoffe ich, dass ich ihn wieder so losgelöst lieben kann, wie ich dich geliebt habe. Dass ich vergesse wie schmerzhaft es ist, wenn man verlassen wird und wie es sich anfühlt wenn die Liebe sich langsam auflöst. Ich hoffe, dass ich jemand anderem die Liebe geben kann, die du nicht annehmen wolltest. Dass ich jemanden finde, der sie verdient, der mich verdient. 

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