LiebesKUMMER

Liebeskummer. Eigentlich ist das ein, rein sprachlich betrachtet, gar nicht mal übles Wort.

Denn irgendwie klingt es so nett altmodisch. Wegen dem „Kummer“ vermutlich, das sagt ja heute fast niemand mehr. „Hast du gerade Kummer oder warum rinnen dir die Tränen deine entzückenden Wangen herab?“ Nee. Sagt echt keiner. „Wasn los da? Was hat der Arsch/Idiot dir wieder angetan?“ schon eher.

Naja, und eigentlich kann man so ein bedeutungsschweres Wort auch gar nicht nur so rein sprachlich betrachten. Da haftet bei jedem immer so ein bitterer Geschmack mit dran, kennt ja so ziemlich jeder: Liebeskummer.

Und wenn man das mal genauer überlegt, dann könnte man sich das Gefühl, dieses eklige, lähmende Gefühl, das einem den Atem nimmt und einem plötzlich zig Fragen aufdrängt, in den guten Phasen des Lebens und vorallem der Liebeshochphasen, öfter mal ins Gedächtnis rufen – nur um sich selbst mitzuteilen, dass das Leben auch gut ist und sehr schön. Denn da bestehen ja immer Zweifel, wenn man selbst durch das düstere Tal des Herzschmerzes wandern muss. So würde das Ganze vielleicht etwas mehr an Schrecken verlieren und man könnte vielleicht dem einen oder anderen Ende einer Beziehung entspannter entgegensehen.

Denn wenn man schon weiß, dass das Leben weitergeht und auch wieder gut wird, dürfte doch alles nur halb so schlimm sein?! So weit die überragende Theorie, in der Praxis klappt das nicht wirklich.

Mir selbst wurde erst einmal zuvor das Herz gebrochen. Im Schnitt gibt’s da bei den meisten Menschen in meinem Alter wohl einige schwerwiegende Brüche in der Herzgegend, die geistig fest in Verbindung stehen mit einer langen Phase der Trauer. (Ich will gar nicht wissen, auf wieviel Enttäuschung und „Liebeskummer“ man dann so gegen Ende seines Lebens zurückblickt und ob das dann irgendwann, so zwecks Abhärtung, alles seinen Schrecken verliert?! Ich befürchte nein…)

Ja, jetzt könnte man ja meinen, dass man ganz viele tolle Momente gesammelt hat in der schönen, gut laufenden Phase des Lebens, so dass man dann davon zehren kann in der Hölle des Liebeskummers. Dass man ja jetzt auch wieder schlauer ist und weiß, dass es nix bringt, etwas Vergangenem und in den meisten Fällen Missglücktem hinterherzuweinen. Dass die Sonne wieder scheint und dass die Erde sich weiterdreht und einem sehr viel Schönes zeigen möchte, New York zum Beispiel oder Südafrika. Und dass das Lebensglück verdammt nochmal nicht alleine von einer Person abhängt.

Nur leider versagt in den Ernstfällen das Gehirn und weigert sich vehement, diese Erkenntnis rauszurücken. Und man sitzt wieder da. Zewa Softies im Schoß, weil die anderen die Nase so rau gemacht haben, Bilder zerknüllend und voller Übelkeit, weil man jetzt weiß, dass man umsonst Vertauen geschenkt, Geduld bewiesen und Liebe empfunden hat. Danke Gehirn und danke, du verdammte Liebe.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s